Eigentlich wäre die übliche Vorgangsweise ja, den Versuchsaufbau vor dem Beginn der eigentlichen Arbeiten zusammenzubasteln, aber wann hab ich mich schon mal an das Übliche gehalten. Also kam mein Steckbrettaufbau eben dran, nachdem ich die Anzeigemodule fertig hatte. Macht auch nichts. Bei der Anzeige gab's ja nichts, was ich vorher hätte ausprobieren müssen. Ganz anders bei den LED Treibern. Ja, ich hatte mich, nachdem ich zuerst ein bisschen mit Transistoren herumexperimentiert hatte für einen LED Treiber von Texas Instruments entschieden. Ist auch viel besser, als sich mit Schieberegistern und diskret aufgebauten Stromquellen herumzuschlagen (wobei diskret hier "aus einzelnen Bauteilen" meint und nichts mit unauffällig zu tun hat). Außerdem ist der TLC5916IN einfach sehr viel platzsparender als 8 einzelne Stromquellen. Und das, obwohl er bis zu 120mA pro Kanal treiben kann. Dank dieses kleinen Wunderdings, das ich bei Farnell, oder besser gesagt bei einer Partnerfirma
(Farnell verkauft leider nicht an Privatpersonen) erstand, gestaltete sich der Versuchsaufbau recht simpel. Im Grunde bestand dieser nur aus den beiden ICs (µP und LED Treiber) und einem Widerstand. Ein wenig komplizierter war das Senden der seriellen Befehle an den LED-Treiber, doch nach ein bisschen Datenblatt lesen, genervtem Aufgeben desselben und sehr viel Herumprobieren schaffte ich es irgendwie, ein paar LEDs blinken zu lassen. Was für eine gewaltige Leistung
.
Der Entschluß war also gefasst. Ich würde ein Schild bauen! Aber womit anfangen? Erst mal wurde der Conrad aufgeschlagen, ein bisschen bei den LEDs herumgeblättert und aus einem Impuls heraus ein ganzer Haufen sympathisch aussehender, orange-roter Vertreter dieser speziellen Halbleitergattung bestellt. Zudem auch noch ein paar Widerstände für einen Strom der mir passend erschien. Was ich da noch nicht wusste: Der Widerstandskauf würden sich im weiteren Verlauf meines Projektes noch als total sinnlos erweisen. Aber viel Geld war's ja nicht.
Meine nächste Aufgabe, abgesehen vom Warten auf die Bestellung, bestand nun darin, mit den verfügbaren LEDs ein gut lesbares
Display zu entwerfen und dazu ein möglichst funktionierendes Layout zu routen, das mich beim Verdrahten nicht in den Wahnsinn treiben würde. Nunja, zumindest teilweise hatte ich Erfolg. Irgendwie war ja von Anfang an klar, dass da sowas wie eine 7-Segment Anzeige rauskommen musste. Hat soweit auch gut geklappt, nur für die Widerstände wäre es eng geworden, hätte ich sie wirklich gebraucht. Das interessierte mich in dem Moment aber herzlich wenig. Erst recht nicht mehr, als Anfang Juni meine Conrad Bestellung ankam. Da hab ich erst mal ein wenig gebastelt.
Meine Basis für das Display war eine Polycarbonatplatte in die ich 5mm Löcher für die LEDs gebohrt habe. Natürlich in Form einer 7-Segment Anzeige und im richtigen Rastermaß für die
Platine. Leider hab ich beim Bohren der Platte mal kurz den Halt verloren, weshalb eines der Löcher ein wenig aus dem Winkel ist, aber zusammengebaut fällt das gar nicht mehr so auf. A propos zusammenbauen. Das hab ich mit ein paar Schrauben, Beilagscheiben und Abstandhalter erledigt. Das Einfädeln der einzelnen LEDs gestaltete sich allerdings aufwändiger als gedacht. Besonders, wenn man sich so dumm anstellt wie ich und die Platte auf den Tisch stellt, sodaß alles wieder herausfällt. Aber ein bisschen Gefluche später hatte ich alles wieder da wo es hingehörte und schaffte es endlich, die LEDs zu verlöten. Die Herausfallgefahr war gebannt. Damit hatte ich erst mal genug getan...
Es begab sich Anfang dieses Sommers, als ich mal wieder ein wenig im Internet surfte. Keine Ahnung wie genau, aber plötzlich fand ich mich auf der Seite von xkcd, einem sehr schrägen Webcomic, wieder. Und um das Bild, das mich auf xkcd geführt hat, geht es hier eigentlich auch. Der Titel dieses Cartoons war "Reset", und ich fand ihn schlicht und einfach Genial:
Und eigentlich wär's das auch schon gewesen, hätte ich damals nicht spontan die Eingebung gehabt, es wäre meine Aufgabe, dieses geniale Schild auch der physischen Welt zugänglich zu machen...
Wie schon erwähnt hatte ich es also geschafft, die Schaltung zusammenzubauen und dabei meine geistige Gesundheit zumindest auf dem Niveau von vor dem Beginn der Arbeiten zu halten. Und gut ausgesehen hat das Resultat auch noch. Also für meine Ansprüche an Schaltungsdesign meine ich.
Nun musste es nur noch funktionieren. Tja, schön wärs wirklich gewesen. Dummerweise hatte mich, wie ich kurz darauf festzustellen gezwungen war, ein kleiner Fehler im Stromlaufplan und der daraus resultierende Fehler im Layout zu einer fatalen Fehleinschätzung der Spannungsversorgungs- polarität gebracht. Und als ich den seltsamen Wert auf der Stromanzeige meines alten (und ebenso treuen) HTL Netzteils bemerkte, wars dummerweise schon etwas zu spät. Zu spät wofür? Nun, das eröffnete sich mir erst, nachdem ich den Fehler im Stromlaufplan korrigiert und die Verbindung im Layout neu geroutet hatte und immer noch nichts lief. Ich hatte es nämlich geschafft, den 12V/5V Spannungswandler zu schießen. War eh nur das teuerste Bauteil neben dem PIR Sensor. Mir blieb also nichts anderes übrig, als eine weitere Conrad Bestellung zu tätigen.
Ein paar Tage später, nach erfolgreichem Eintreffen der Bestellung und Austauschen des Bauteils, konnte ich endlich den zweiten Anlauf wagen. Und da ich das zugehörige
Programm ja schon im Vorfeld am Versuchsaufbau getestet hatte, lief alles sogar auf Anhieb (nun, zumindest von diesem Zeitpunkt an). Die Lampe dimmte beim ersten Auslösen brav auf Stufe 1, und bei weiteren Bewegungen auf volle Leistung. Fetzig!
Ich hab mir also zahlreiche Schaltungsentwicklungstools angeschaut und bin schließlich bei KiCad hängengeblieben. Hat mir irgendwie auf Anhieb gefallen. Also hab ich mich gleich an die Arbeit gemacht, und versucht, meine wirren Verdrahtungen auf dem Steckbrett irgendwie in einen Stromlaufplan umzusetzen. Zwischendrin musste ich mir auch ein paar eigene Bauteile zeichnen, da in den vorhandenen Bibliotheken nicht alles drin war, was ich brauchte. Aber nach ein paar Tagen (logischerweise hab ich ja nicht ununterbrochen dran gezeichnet) schaute alles schon ganz passabel aus. Noch war's allerdings nicht geschafft, denn mir stand noch das Layout der Platine bevor. War aber auch kein
größeres Problem, mal abgesehen von einer kurzen Bauteil- und Lötseiten Verwechslung beim FET. Der war nämlich SMD. Nachdem das Routen abgeschlossen war, hab ich das Ganze masstäblich ausgedruckt und versucht, die Bauteile auf einer Lochrasterplatine richtig anzuordnen. Die wirklich zache Arbeit war aber das Verdrahten auf der Leiterbahnseite. Fädeln hat mich nämlich noch nie interressiert und fürs Ätzen fehlt mir das Equipment, was nur noch eine Möglichkeit übrigließ: Drähte biegen. War echt eine Scheiß Arbeit. Hat mich ein paar Tage lang beschäftigt.
Und ihr glaubt gar nicht, wie froh ich um meine "Dritte Hand" war. Und um meine vor Kurzem gekauften Zangen. Auf jeden Fall hab ich's schlußendlich geschafft, die Schaltung zu vollenden, ohne dem Wahnsinn zum Opfer zu fallen und es war Zeit für den ersten Test...